Unverhofft kommt oft
Geschichten rund um’s Auto – damit verdiene ich als Journalist mein Geld. Neulich war ich wieder „on the road“. Unterwegs nach Luxemburg, zur Goodyear-Zentrale für Forschung und Entwicklung. Das Thema für die nächste Story: Pannensichere Reifen...
Sieben von acht Verbrauchern wünschen sich bei einem Neuwagen pannensichere Reifen. Solche Pneus und Luftdruck-Kontrollsysteme stehen ganz oben auf der Wunschliste der Autofahrer. „Mit EMT sind wir weltweit Marktführer“, erklärte Jean Bergh, F+E-Leiter bei Goodyear. Ich erfuhr, EMT steht für „Extended Mobility Technology“. Schon klar: Ein Plattfuß kommt immer zum falschen Zeitpunkt. Der pannensichere Reifen hilft da aus der Patsche. „Und wie bekommen Sie das bei Goodyear hin?“, wollte ich wissen.
Jetzt war Bergh ganz in seinem Element. „Basis für EMT-Reifen ist eine hochautomatisierte Technik, die Qualität und Fehlerfreiheit der Reifen garantiert. Für die erforderliche Präzision sorgen die Roboter, die Sie hier sehen. Als Autofahrer sollen sie in der Lage sein, auch bei komplettem Druckverlust weiterzufahren. Goodyear nennt diese Technik' Runflat System for Automated Manufactoring’ oder kurz 'RFSAM’.“ Beim Mini Cooper S und dem 5er BMW gehören EMT-Reifen auf Wunsch zur Erstausrüstung. Stimmt, ich hatte neulich auch etwas über den Goodyear Eagle NCT 5 EMT gelesen ... Selbst bei komplettem Luftverlust und voller Belastung bei einer Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h hat der Pneu noch eine Restlaufweite von mindestens 80 Kilometern, die bei einem unbeladenen Fahrzeug und nur einer Person an Bord sogar über 200 Kilometer liegen kann. Technisch schöpft der Reifen seine besonderen Fähigkeiten in erster Linie aus einer gezielt ve rstärkten Reifenflanke. Die kann selbst bei völligem Luftverlust tragende Eigenschaften übernehmen. „Schauen Sie sich diesen Prototypen an“, forderte Jean Bergh mich auf: „Wer sich dafür entscheidet, kauft zwei Reifensätze für den Preis von einem - vier Top-Pneus inklusive Ersatzreifen. Angenommen, alle vier Reifen gehen auf einmal platt, können Sie trotzdem weiterfahren.“
„Die Zukunft gehört den intelligenten Reifen“, unterbrach Jean Bergh meine Gedanken. Ich erfuhr, dass Goodyear gemeinsam mit dem Elektronik-Riesen Siemens demnächst ein System auf den Markt bringt, das noch weit mehr Fahrzeugparameter an den Fahrer meldet, als nur das Nachlassen des Luftdrucks.
Dann wird es möglich sein, aufgrund der Reifenbelastung, der Geschwindigkeit und den Fahrgewohnheiten den notwendigen Luftdruck vorauszuberechnen. „Ein Chip im Reifen meldet Ihnen dann rechtzeitig, was nicht in Ordnung ist. Was will man mehr? Das läuft bei uns unter dem Stichwort 'Tire IQ’, was soviel heißt wie ‚Intelligenter Reifen’.“Die Worte des Goodyear-Experten gingen mir noch durch den Kopf, als ich schon auf dem Rückweg war. Schön und gut: Aber wann tritt so eine Situation rein statistisch schon ein? Nachts, allein unterwegs, weit und breit Niemand, der einem helfen kann, im strömenden Regen einen Reifen wechseln ... ? Ein seltsames Geräusch riss mich aus meinen Gedanken: Plock ... Plock ... Plock ...
|